Berliner Luft – Das Klima in BRLO

Mit dem Rad klimafreundlich auf Klimasuche

Anders als Kampmanns ebenso dynamische wie beschauliche Heimat, das Emsland, gilt Berlin nicht gerade als Hochburg für Radfahrer. So hat die Berliner Zeitung einmal zehn Gründe aufgelistet, „warum Radfahren in Berlin die Hölle ist“. Es scheint, dass in Berlin kein besonders radfahrerfreundliches Klima herrscht. KAMPMANN HEUTE-Redakteur Nils Naber hat sich auf die Fietse (emsländisch für Fahrrad) geschwungen, um das Klima zu prüfen. Und nicht nur dieses Klima: Auch das gesellschaftliche, politische, meteorologische und – wie könnte es anders sein – das Raumklima wird radelnd betrachtet.

Ich denke, Sie als Leser sehen es mir nach, dass ich nicht mit der Fietse nach Berlin fahre. Das wäre doch arg weit. Und so reise ich bequem mit der Bahn an, die mich erfreulicherweise halbwegs pünktlich und entspannt am Bahnhof Zoologischer Garten in die Berliner Luft entlässt. „Ja, ja, ja, das ist die Berliner Luft, Luft, Luft ...“, schießt es mir durch den Kopf. Der Ohrwurm lässt mich für den Rest des Tages nicht mehr los. Wie auch? Schließlich führt mich mein Weg an verschiedensten Stationen entlang, die alle mit Luft oder Klima zu tun haben. Das Lied „Berliner Luft“ gilt übrigens immer noch als inoffizielle Hymne Berlins. Sie preist das offene und freie Berliner Lebensgefühl: „Berlin! Hör ich den Namen bloß, muss ich vergnügt lachen!“, heißt es gleich zu Beginn der ersten Strophe.

Doch zurzeit befinde ich mich noch am Bahnhof Zoo. Und das lässt mich nicht an gute Berliner Luft denken, sondern eher an die düsteren, drogenverseuchten Zeiten der siebziger und achtziger Jahre, als Christiane F. hier herumvegetierte. Heute ist der Bahnhof zwar immer noch kein Schmuckstück, aber er ist immerhin halbwegs sauber. Es sei denn, man nimmt den falschen Ausgang: Auf der Rückseite von Bahnhof Zoo hocken und campieren immer noch Drogensüchtige, Sexarbeiter und Obdachlose. Auch die benachbarte, recht lange Unterführung ist kein schöner Ort. Lagerstätten von Obdachlosen sind aufgebaut. Es riecht beißend nach Urin. Ohne den „Bewohnern“ etwas vorwerfen zu wollen – nachts würde ich hier ungerne durchgehen.

DAS KLIMA: UNSCHÖN.

WURST-LEVEL: legendär!

Ganz anders das Bild auf der Vorderseite: Hier wimmelt es von Menschen. Das Stadtbild ist plötzlich urban. Hochhäuser recken sich gen Himmel. Die Gedächtniskirche lugt bereits um die Ecke, und dort gegenüber wartet schon mein Quartier. Doch bevor ich diesen kurzen Weg antrete, will ich mich stärken. Mit einer echten Berliner Currywurst. Und zwar einer vom legendären „Curry 36“. Selbst Tom Hanks hat hier schon Wurst genossen, während er zu Dreharbeiten in Berlin weilte. Sein Fazit: „Ich hätte gerne, dass mir jemand ein Appartement in Berlin schenkt […] Am besten fußläufig zu Curry 36.“ Da darf man also gespannt sein, wie das so schmeckt! Aber noch muss ich warten. Ein Mann ist vor mir dran. Er berlinert seine Bestellung der weiblichen Bedienung zu:

„Zwee mal Curry – und ′ne Pommes!“
„So viel?!“
„Aber allet in jetrennten Schalen.“
„Auch das noch!“

Währenddessen schaut mich eine riesige, neonbunte Kobra von der Rückseite der Jacke des Bestellenden an. Dass die Berliner gerne mal rumgiften, ist als Berliner Schnauze bekannt und berüchtigt. Und in diesem Fall war es noch recht freundlich, war der kurze Dialog doch von beiderseitigem Lächeln begleitet. Als ich an der Reihe bin, muss ich kurz nachdenken, um die Frage zu beantworten, ob ich meine Wurst mit oder ohne Darm möchte. Ich lasse mir beide Varianten zeigen und entscheide: mit!

DAS KLIMA: WÜRZIG!

DER BREITSCHEIDPLATZ – das Bikini-Gebäude ist im Vordergrund zu sehen.

MIT DEM RAD DURCH DEN HOTELFLUR

Nun aber ab ins Hotel! Das 25hours Bikini ist, wie der Name schon andeutet, im Bikini-Haus untergebracht. Klingt vielversprechend, hat aber mit dem Bekleidungsstück und eventuell dadrin steckenden jungen Frauen nichts zu tun. Oder nur entfernt: Das denkmalgeschützte Gebäude hatte einst ein Luftgeschoss. Sprich: Die Obergeschosse drei bis sechs waren auf dem ersten Obergeschoss aufgeständert. Das zweite Obergeschoss bestand also nur aus tragenden Säulen. So war das Gebäude zweiteilig wie ein Bikini. 1957 eröffnet, blieb das Luftgeschoss bis 1978 offen. Das 25hours, muss man zur Verdeutlichung sagen, gehört zwar zum Bikini-Gebäudekomplex, ist aber nicht im einstmals zweiteiligen Gebäude untergebracht – zum Glück! Denn das Hotel verfügt über zehn Etagen und ermöglicht so eine wunderbare Aussicht von der Dachterrasse des ebenso wunderbaren Restaurants Neni, in dem ich abends ein fabelhaftes Shawarma mit vielen frischen Kräutern nieße. Aber auch aus meinem Zimmer im siebten Stockwerk habe ich einen prima Ausblick auf den Breitscheidplatz mit der Gedächtniskirche. Und auf die Terrasse des Hotels, die gerade für ein Public Viewing umfunktioniert wurde. Doch dazu später mehr.

DAS KLIMA: WONDERBRA! WUNDERBAR!

 

Das Zimmer ist im besten Sinne cool. Polierter Beton als Fußboden. Eine unverkleidete Decke, die an den ursprünglichen industriellen Zweck des Gebäudes erinnert. Ein absolut offenes Raumdesign. Und schicke Accessoires – zu denen das Rad, das an der Wand hängt, nicht gehört. Denn dies ist zwar sehr schick, aber kein Accessoire. Sondern mein Gefährt für die nächsten zwei Tage. Wen′s interessiert: Es ist ein ultraleichtes Schindelhauer Single-Speed-Bike mit Riemenantrieb und Brooks-Sattel. Cyclisten dürfen nun mit der Zunge schnalzen. Ich hebe das Rad mit dem kleinen Finger aus der Halterung, fahre diebischvergnügt durch den Hotelflur und lasse mir an der Rezeption einen Inbus geben, um die Sattelhöhe einzustellen. Berlin – ich komme!

DAS KLIMA: MOTIVIEREND!

Mein Rad: Ein ultraleichtes Schindelhauer Single-Speed-Bike mit Riemenantrieb und Brooks-Sattel.

 

Radfahren in Berlin. Wirklich die Hölle? Das kann ich zunächst nicht bestätigen. Meine heutige Tour führt mich einmal rund um den Tiergarten. Zwar ist die Fahrrad-Spur hier meist Bestandteil der Fahrbahn, sodass der Verkehr teils gefährlich nah an einem vorbei saust – aber immerhin: Es gibt eine Rad-Spur! Und zwar überall. Aber zugegeben: Ich wünschte, ich hätte einen Helm mitgenommen.

Ich fahre direkt am Tiergarten entlang (was mich übrigens immer irritiert hat: Es gibt den Berliner Bezirk Tiergarten, den Park Tiergarten und den Zoologischen Garten, der Teil des Tiergartens ist. Aber jetzt, wo man hier ist, liegt das alles irgendwie auf der Hand). Also – wie ich so am Park namens Tiergarten entlangfahre, kommt mir in den Sinn, was ich während der Recherche im Vorfeld erfahren habe: 40 Prozent des Stadtgebietes sind Grünflächen! Das ist dann – Tiergarten hin oder her – doch erstaunlich. Schaut man genauer hin, wird die Sache glaubhaft. Neben den vielen kleinen Grünflächen gibt es mit dem Tiergarten, dem Grunewald und dem Tempelhofer Feld drei sehr große Grünbereiche. Diese fungieren in der Stadt als Kälteinseln. Zusammen mit der Lage Berlins inmitten von flachen, meist unbebauten, landwirtschaftlich genutzten Flächen ergibt sich für eine so große Stadt ein recht angenehmes Klima.

DAS KLIMA ALSO: ANGENEHM.

 

Die Botschaft Saudi-Arabiens

KAMPMANN – BOTSCHAFTER GUTEN KLIMAS

Nach kurzer Zeit erreiche ich das Gebiet, in dem sich die Botschaften häufen: Kampmann-Gebiet. Die architektonisch eindrucksvolle Saudi-Arabische Botschaft, die Botschaften Japans, Mexikos, Italiens, Österreichs, Indiens, Frankreichs … in allen herrscht dank Kampmann Wohlfühlklima. Ich will es nicht übertreiben: Aber wer weiß, wie viele zwischenstaatliche Reibereien und Konflikte schon einvernehmlich gelöst wurden, weil die Diplomaten dank anständiger Klimatisierung einen kühlen Kopf bewahrten? Ich übertreibe, meinen Sie? Vielleicht.

DAS KLIMA: DIPLOMATISCH!

 

HINTER ALL DIESEN FENSTERN: Klima aus Lingen.

Kaum lasse ich das Botschaftsgebiet hinter mir, ragt vor mir das Sony-Center auf. Früher hätten wir uns darüber ausgeschwiegen – aber hey: das ist eine emco-Referenz! Ich steige ab, um den atriumartigen Innenraum mit seiner ikonischen Decke zu betrachten. Kampmanns Vertriebsleiter Stefan Reisch erzählte mir, dass eigentlich Kampmann in der Ausschreibung stand, am Ende aber emco zum Zuge kam. Außer im Erdgeschoss. Da ist dann doch noch Kampmann reingekommen. Was also einst ein hart umkämpftes Projekt war, ist heute eine gemeinschaftliche Referenz: Hauptsache, das Klima stimmt (und kommt aus Lingen). Weiter geht es mit der Shopping-Tour. So wie das Sony-Center den Potsdamer Platz bestimmt, bestimmt die riesige Mall of Berlin den benachbarten Leipziger Platz. Machen wir es kurz: Hier kamen Kampmann und NOVA zum Zuge. Und das Einkaufsklima in Berlins Mitte ist somit eine Koproduktion des Kampmann-Konzerns.

DAS KLIMA: FRIEDLICH.

 

Genug des Konsums und Kommerzes – jetzt wird′s politisch. Ich erreiche das Denkmal für die ermordeten Juden in Europa. Bernd „Björn“ Höcke, den man mit Fug und Recht als Nazi und Goebbels- Imitator bezeichnen kann, sagte hierüber einst: „Wir Deutschen [...] sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“ Es ist Sommer 2018: Die AfD steht in Umfragen bei knapp 20 Prozent und die CSU versucht auch noch, ideologisch rechts zu überholen. Von einem neuen Antisemitismus in Europa ist die Rede. Ich stelle das Rad ab und schaue auf die 2711 Stelen. Von außen betrachtet bilden sie eine leicht gewellte, annähernd geschlossene Oberfläche.

Die Sonne scheint auf den grauen Beton. Eine Schulklasse tobt lärmend auf und zwischen den Stelen herum. Ich suche mir einen Pfad ins Innere des Denkmals hinein. Der Boden fällt langsam ab. Es wird kühler. Gleichzeitig werden die Stelen immer höher und überragen mich bald um zwei Meter. Der sargähnliche Grundriss und die Tatsache, dass die bis zu 16 Tonnen schweren Betonklötze kaum wahrnehmbar geneigt sind, erzeugen ein Gefühl der Beklemmung. Dieses Mahnmal steht für sechs Millionen ermordete Juden. Sechs Millionen. Getötet aus Hass und Fanatismus. Wegen Vorurteilen und irrational geschürter Angst. Ich gehe zurück ins Licht und höre einen Schüler sagen: „Voll der Quatsch hier. Total das Scheiß-Denkmal.“

DAS KLIMA: ERSCHÜTTERND. ERNÜCHTERND.

 

Dagegen ist die Anekdote, die es über das benachbarte Hotel Adlon zu erzählen gibt, absolut harmlos. Nicht jedoch für Kampmann …

LECKO MIO!

Einst, als Berlin noch geteilt war und das Brandenburger Tor im Brachland des Mauerstreifens lag, war vom legendären Hotel nicht mehr viel zu sehen: Im Gegensatz zu den restlichen Gebäuden am Pariser Platz hatte das Adlon den Krieg zwar nahezu unbeschadet überstanden, kurz nach Deutschlands Kapitulation aber, am 2. Mai 1945, brannte das Hotel aus ungeklärter Ursache aus. Die Ruine wurde 1952 gesprengt. Von 1995 bis 1997 errichtete man das Adlon in historisierender Architektursprache neu – ein Leuchtturmprojekt. Und mit dabei: Kampmann! Doch o weh: Beim Bau der Fan Coils im Lingener Stammwerk brach des Nachts ein Bohrer ab. Dieser hatte exakt die richtige Länge, um ein Loch ins Gehäuse zu bohren, ohne die im Inneren verborgene Technik zu beschädigen. Der Arbeiter, der es nicht besser wusste, setzte einen neuen, zu langen Bohrer ein und riss so unwissentlich und unbemerkt ein Leck in einige fortan gefertigte Gerät. Und so tropfte es zur Adlon-Eröffnung an an mehreren Stellen. Alle Geräte mussten von Kampmann Mitarbeitern geprüft werden – immer mit der Security im Schlepptau.

DAS KLIMA: 1997 RECHT FEUCHT. HEUTE OPTIMAL.

 

Ich wende das Rad um 180 Grad und könnte es nun durch das Brandenburger Tor lenken. Geht aber nicht. Eine große Leinwand der Fanmeile versperrt den Weg. Es ist WM. Und wie die ausgegangen ist, wissen wir alle. Zum Zeitpunkt meines Besuches jedoch ist die Nationalelf noch im Turnier. Vor zwei Tagen explodierte hier die Stimmung, als Toni Kroos in der 95. Minute das Spiel gegen Schweden per Traumtor entschied. Ich radele die Straße des 17. Juni hinunter, vorbei an einem halben Dutzend Großbildleinwänden und bekomme Lust auf Fußball.

PUBLIC-VIEWING am (oder im?) Bikini.

Und gut, dass auf der Terrasse vor dem Hotel ein Public Viewing aufgebaut ist. So kann ich nach vollständiger Umrundung des Tiergartens die Partie Iran gegen Portugal verfolgen. Ein erstaunlicherweise sehr enges, dramatisches Spiel, in dem ein gewisser Karim Ansarifard in der dritten Minute der Nachspielzeit das iranische Ausgleichstor zum 1:1 schoss. Sehr zur Freude der anwesenden iranischen Fans. Und zum Missfallen der Portugiesen, die aber trotzdem weiterkamen. Ich betrachte die Gefühlsregungen aus neutraler Sicht mit einer Flasche BRLO in der Hand, einem Berliner Craft Beer, das genau meinem Geschmack entspricht: hopfig-fruchtig. Der erste Gang zur Theke endet allerdings mit einem Knoten in meiner Zunge. „Wie wird denn das bloß ausgesprochen?“, frage ich den Barkeeper. „Berlo“, antwortet dieser „Das ist irgendwie altslawisch oder so und der Ursprung des Namens Berlin.“ Sieh an!

DAS KLIMA: UNENTSCHIEDEN.

 

Das Programm für den zweiten Tag ist erheblich kürzer. Erfreulicherweise, denn es hat sich zugezogen und es regnet sachte. Ich bin mit Steffen Wiese vom emco Klimakontor verabredet. Hierfür muss ich etwa zehn Kilometer Richtung Süden fahren, in den Bezirk Tempelhof. Statt also locker am schattigen Tiergarten entlang zu radeln, geht es nun straight durch den dichtesten Straßenverkehr. Und das ist noch mal eine ganz andere Baustelle: Zwar gibt es auch hier meist eine Spur für Radfahrer, aber alles ist enger, lauter und auch gefährlicher als am Rande des Parks. Dummerweise kann ich der Einladung meines feinen Rades zum Schnellfahren nicht widerstehen, lasse mich zudem von der allgemeinen Hektik des Verkehrs anstecken und rase halsbrecherisch, jeden anderen Fahrradfahrer hinter mir lassend, nach Tempelhof.

In der Folge bin ich leicht angeschwitzt, als ich beim Klimakontor ankomme. Steffen Wiese bittet mich freundlich hinein. Das angebotene Wasser nehme ich dankend an: Das oder besser die gestrigen BRLO und das heutige schnelle Radeln machen mich durstig. Ich habe nur ein paar kurze Fragen an Herrn Wiese:

 

Der Klimabereich von emco gehört nun zu Kampmann – und damit auch das Klimakontor. Was genau macht das Kontor?

Wir sind auf Kühl- und Heizdecken spezialisiert. Aus der Geschichte heraus hat sich das allerdings so entwickelt, dass wir – im Gegensatz zu den anderen Strukturen bei emco Klima – eher Anlagenbauer sind als ein Lieferant von Komponenten.

Was heißt das konkret?

Dass wir unseren Kunden nicht nur eine hervorragende Kühldecke liefern, sondern auch die Beratung, Installation und gegebenenfalls auch die Planung leisten – eben ein perfektes Gesamtpaket.

Ist das ein Alleinstellungsmerkmal?

Das zum einen. Zum anderen bieten wir Kunststoffsysteme an – und sind damit relativ alleine am Markt. Dabei ist das für viele Bedarfe die optimale Lösung. Brandschutz kann ein Hinderungsgrund sein, aber wenn es dort keine Auflagen gibt, dann gibt es keinen vernünftigen Grund, nicht mit Kunststoff zu arbeiten. Zumal unsere Systeme von der Leistung her an Kupfersysteme heranreichen. Nur ist Kunststoff viel flexibler und günstiger.

Themenwechsel: Was halten Sie davon, in Berlin Rad zu fahren?

Ich bin, ehrlich gesagt, quasi noch nie mit dem Fahrrad im Zentrum unterwegs gewesen. Und wenn ich mir die Verkehrsverhältnisse so ansehe, dann möchte ich auch, dass das so bleibt. Aber ich habe großen Respekt vor jenen, die das tun und den Kampf aufnehmen. Also: Passen Sie auf sich auf!

Danke – das mache ich.

 

Gesagt, getan: Ich versuche, einen Rückweg jenseits der vielbefahrenen B96 zu nehmen, die in Nord-Süd-Richtung durch ganz Berlin verläuft. Tempelhof, denke ich, da schau ich doch mal beim Flughafen vorbei. Jenem legendären, nicht nur wegen der Luftbrücke bis heute gut beleumundeten, aber eben stillgelegten Flughafen Tempelhof. Doch was heißt „stillgelegt“? Das Gelände wird rege genutzt. Es ist unter dem Projektnamen „Tempelhofer Freiheit“ für die Öffentlichkeit zugänglich, und schon die Tatsache, mit dem Rad ungebremst von Verkehr und Ampeln über die breiten Pisten zu flitzen, verleiht diesem Namen Ausdruck. Aber auch Projekte wie ein gemeinschaftlich genutzter Garten, eine künstlerisch gestaltete Minigolfanlage, Platz für zahlreiche Sportarten und die erstaunliche Weite, die das Tempelhofer Feld zur größten innerstädtischen Freifläche der Welt macht, verwandeln den Besuch des Feldes in ein überraschend begeisterndes Erlebnis – unverhofft kommt oft, wie man so schön sagt.

Das ist ganz nett hier, denke ich, steige vom Rad, setze mich ins hohe Gras und schaue in den Berliner Himmel, der in diesem Moment aufreißt und mich in gleißendes Licht taucht. Das ist ganz nett hier, denke ich und erinnere mich an die Flasche BRLO in meiner Fahrradtasche, die ich eigentlich mit nach Hause nehmen wollte. Sei′s drum, denke ich, öffne die Flasche und lasse die vergangenen 36 Stunden Revue passieren. Wie ist es also, das Klima in Berlin? Die Berliner Luft?

Da ist er wieder, der zweifelhafte Ohrwurm:

„Ja, ja, ja, das ist die Berliner Luft, Luft, Luft,

so mit ihrem holden Duft, Duft, Duft,

wo nur selten was verpufft, pufft, pufft,

in dem Duft, Duft, Duft,

dieser Luft, Luft, Luft.

Das macht die Berliner Luft!“

Prost BRLO!

 

Bildnachweis: S. 17: Bikini-Haus, Berlin @ Harald Krichel – CC BY SA 3.0