EIN BISSCHEN WEISE

Eine anekdotische Bilderreise durch 45 Jahre Firmengeschichte von und mit Unternehmensgründer Heinrich Kampmann.

"Fünfundvierzig Jahre sind kein richtiges Jubiläum, aber für mich dennoch Anlass genug, um diese Zeit einmal Revue passieren zu lassen – mit persönlichen Einblicken und Anekdoten. Wie Sie vielleicht wissen, war ich vor meiner Selbstständigkeit bei Erwin Müller (EMCO) angestellt. Dass Herr Müller mich seinerzeit ermunterte, auf eigenen Beinen zu stehen, kann für mich, die Klimabranche und die Region Emsland als Glücksfall angesehen werden. Dass die beiden Unternehmen EMCO und Kampmann nun näher zusammenrücken und voraussichtlich die jeweiligen Sparten Klimatechnik und Eingangsmatten tauschen, freut mich ungemein. Auch wenn mich der Verlust des von mir initiierten Geschäftsfeldes Eingangsmatten ein wenig schmerzt."

DER STARTSCHUSS: Kaum Kapital, eine Garage als Firmensitz, aber voller Überzeugung - so haben schon viele große Unternehmen begonnen.

Vor 1972: Mein Verhältnis zu Erwin Müller

„Man sagte uns immer ein schwieriges Verhältnis nach, was überhaupt nicht stimmt. Wir haben sehr vertrauensvoll zusammengearbeitet. Und als ich Herrn Müller vorschlug, Konvektoren herzustellen, sagte er: ,Machen Sie das doch selbst, Kampmann! Von mir bekommen Sie die Roll-Roste dazu.' Aus dieser Zusage wurde später zwar nichts, es brachte mich allerdings dazu die Roste selbst zu produzieren. Und auch, wenn wir uns dann nicht mehr oft sahen, haben wir uns doch stets mit Respekt behandelt.“

UNSER ERSTER MESSESTAND: Direkt in der Halle aus Profilbrettern zusammengezimmert. Und doch ein großer Erfolg!

1972: Los geht´s!

„Auch wenn wir wirklich klein anfingen, war ich von Anfang an überzeugt, dass wir Erfolg haben würden. Es gab für Konvektoren nur einen einzigen Hersteller am Markt – und der Markt war riesig. Dann noch hinzugehen und Konvektoren und Roste im Paket anzubieten, war damals einmalig. Dass wir dann so groß wurden, hätte ich damals allerdings nicht gedacht. Bereits 1973 konnte ich den ersten Großauftrag reinholen: Procter & Gamble baute seinerzeit ein neues Logistikzentrum in Emsdetten und wir sollten Konvektoren samt Verkleidung liefern. Allerdings wollte der Auftraggeber unsere technischen und finanziellen Kapazitäten prüfen und uns dafür besuchen – was mich in eine schwierige Lage brachte.

NUR KURZ OPERIERTEN WIR von der Waldstraße aus. Schon ein Jahr später ging es in die Friedrich-Ebert-Straße.

Glücklicherweise kam den Herren etwas dazwischen, sodass ich wie geplant die Konvektoren bei meinem Zulieferer bestellen und die Verkleidungen bei einem Subunternehmer fertigen lassen konnte.“

1974: Rasantes Wachstum

„Da wir so dynamisch wuchsen, mussten wir in der Anfangsphase öfter umziehen: Aus meiner heimischen Garage in ein erstes Büro mit kleiner Werkstatt und schon 1974 in eine größere Halle, wo wir Standardkonvektoren als Lagerware vorhielten. Mein einziger Wettbewerber war glücklicherweise der Ansicht, dass seine Kunden so lange zu warten hätten, wie es in seine Fertigung passte – bei uns konnte der Kunde sofort kaufen. Und so kam es, dass bereits 1975 der nächste Umzug anstand: In die Friedrich-Ebert-Straße, wo wir mit 11.000 Quadratmetern starteten, aus denen heute mehr als 62.000 geworden sind.“

DIE BBC-STUDIOS IN LONDON. Hierfür lieferten wir in den Achtzigern Maßverkleidungen für Heizungen.

1980: Kampmann wird international

„Zu Beginn der 80er Jahre waren unsere Bodenkanalheizungen am Markt etabliert, wir hatten eine eigene Lufterhitzer-Serie aufgelegt und ich hatte massiv in unsere Fertigungskapazitäten investiert und Niederlassungen in Toronto und London gegründet. Und doch kamen wir 1981 so richtig ins Schwitzen, als ein Großauftrag aus London reinkam. Für die BBC durften wir Heizkörperverkleidungen nach Maß produzieren. Am Ende stand ein großer Erfolg. Ein Grund mehr, weiter zu investieren: 1985 ging unsere erste Trumatic in Betrieb. Ventilatorkonvektoren werden nunmehr ebenso von uns selbst gefertigt wie Rippenrohre aus vorverzinkten Materialien.“

KAMPMANN MED war ein sehr profitables Geschäftsfeld. Am Ende haben politische Entscheidungen für das Ende gesorgt.

1985: Ein neues Geschäftsfeld: Mooranwendungen

„Bei einem Besuch des Kurbades Bad Aibling sah ich, mit welch riesigem Aufwand vor Ort Moorpackungen und -bäder hergestellt wurden. Ich habe gleich gedacht, dass das einfacher gehen muss. Und da im Emsland das Moor sozusagen vor der Haustür liegt, haben wir ein neues System mit vorgefertigten Anwendungen entwickelt und Geräten, die sich jeder Physiotherapeut in die Praxis stellen konnte. Das lief super an und da die Therapeuten von den Krankenkassen die Anwendungen gut bezahlt bekamen, war unser System sehr beliebt – bis die Gesundheitsreformen das soweit beschnitten hatten, dass es nicht mehr lohnte.“

1991: Auf in den Osten!

GRUNDRISS DER ALTEN DRUCKEREI in Gräfenhainichen, die wir ab 1991 zu einem neuen Produktionsund Vertriebsstandort umbauten.

„,Blühende Landschaften' hatte Helmut Kohl 1990 versprochen. Also bin ich mit meiner Frau mit dem Wohnwagen über fürchterliche Straßen wochenlang durch den ganzen Osten gestreift und habe nach einem Standort gesucht. Irgendwann haben wir einen Tipp bekommen bezüglich der alten Druckerei in Gräfenhainichen. Die war wie für uns gemacht! Ich wollte die dann für eine Mark kaufen, so wie das bei der Treuhand ja nicht unüblich war. Am Ende habe ich 1,4 Millionen Mark bezahlt. Aber es war das Geld wert. Kurioserweise hatte Gräfenhainichen auch noch die gleiche Postleitzahl wie Lingen einst: 4450.“

EIN ALTER SCREENSHOT VON KAMPMANN.DE. Bei neuen Technologien waren wir schon immer „Early Adopter“ - oder Initiatoren.

1996: Auf ins Internet!

„Ich war schon immer an den neuesten Technologien interessiert. Wir nutzten bereits digitale Medien bevor sich das Internet durchsetzte, zum Beispiel zur Produktpräsentation. Entsprechend früh haben wir sämtliche Domains für den Namen Kampmann gesichert. Das kommt uns heute zugute.“

1998: Pferde-Leidenschaft

UNSER DRESSURFESTIVAL war eine tolle Sache für das Emsland. Ein Sport-Event mit echten Weltstars. Das Bild zeigt mich mit Isabell Werth.

„Als ich 1998 meine Reithalle mit Stalltrakt baute, war ich überrascht, mit wie wenig technischer Unterstützung die Pferdepflege üblich war. Zum Beispiel kamen die verschwitzten Pferde nach dem Sport unter die Abschwitzdecke und fertig. Ich fand das unhygienisch und ungesund. Warum also nicht auch die Pferde nach dem Duschen föhnen? Gedacht, getan, haben wir den Pferdeföhn entwickelt und direkt zum Patent angemeldet. Man hielt uns ein amerikanisches Patent zum Hundetrocknen vor die Nase – kein Vergleich zu unserem Pferdeföhn! Unser Patentanwalt hat das dann ausgefochten und wir haben sogar das weltweite Patent bekommen.“

HERMANN ENSINK TRITT IN DIE PEDALE: Das war auf einem unserer Kampmann-Triathlons.

1999: Genau unser Betriebskima

„Dass man als Klimatechnikhersteller auch ein gutes Betriebsklima hat, ist nicht folgerichtig. Bei uns hat sich das aber schnell und natürlich so entwickelt. Wir haben immer viel mit und für die Mitarbeiter gemacht, lange bevor es einen Begriff wie ,Arbeitgebermarke' gab.“

2000: Mein Sohn tritt in meine Fußstapfen

AUCH, WENN ICH SELBER DURCHAUS STREITBAR BIN - mit Hendriks Arbeit war ich immer hochzufrieden.

„Schon als Hendrik 16 Jahre alt war, habe ich ihn gefragt, ob er mal die Unternehmensnachfolge antreten möchte. Seine Zustimmung war der Startschuss für eine Ausbildung, die genau darauf abzielte: Abitur, Studium, eine Anstellung bei Philips und ein Praktikum bei der Dresdner Bank … 2006 hat er dann die alleinige Geschäftsführung übernommen. Aber wir sind immer noch im engen Kontakt und stimmen uns über alle wichtigen Entscheidungen ab.“

MAN KANN SICH AUCH MAL IRREN: Die Klimanautin war sicher nicht der beste Einfall.

2005: Wegweisende Technologie mit seltsamer Marketing-Idee

„Also – das war nicht meine Idee, mit der Dame, die Frischluft verschießt. Eine eigenartige Idee. Und dann war kurz vorher noch der Amoklauf von Winnenden und wirklich niemand wollte, dass eine Waffe auf einen gerichtet wird. Aber die Klimanaut-Technologie, die war super! Das Konzept der indirekten Verdunstungskühlung mit reinem Wasser haben wir dann mit der Ka2O-Technologie perfektioniert. Und gemeinsam mit NOVA haben wir da jetzt ein unschlagbares Gesamtkonzept für Klima- und Lüftungssysteme.“

DAS WAR AUF MEINEM 65. GEBURTSTAG. Wie man sieht, freue ich mich gemeinsam mit einer meiner Töchter und meinem Sohn auf den nächsten Lebensabschnitt.

2006: Ich steige aus der aktiven Unternehmensleitung aus

„Ich habe schon immer gesagt, dass ich mit 65 aufhöre. Und da ich mit Hendrik alles einwandfrei geregelt hatte, fiel mir das auch nicht schwer. Zumal ich mit meinem Gestüt auch mehr als genug beschäftigt bin. Gleichzeitig habe ich als Aufsichtsrat immer noch einen sehr direkten Draht zum Unternehmen, sodass der Schnitt nicht allzu hart war.“

HEUTE: Das Gestüt

„Unser Gestüt ist wie ein kleiner Bauernhof. Wir haben Pferde, Hunde, Katzen, Hühner … Ich stehe morgens früh auf, entsprechend ,Morgenstund hat Gold im Mund'. Dann trainiere ich nach meinem persönlichen Fitnessplan, sehe anschließend nach den Tieren, erledige meine Korrespondenz und kümmere mich um den Hof – wir haben sechs Hektar Land. Da ist immer genug zu tun.“

DIE ZUCHT - mein liebstes Hobby.

--------------------------------------------------------------------------
Bildnachweis: BBC Bush-House @ Dg-505, CC-BY- 3.0