Klima-Anekdoten Teil 5

Kampmann löst technische Fragen rund um die Klimatechnik. Doch auch außerhalb des HLK-Bereichs umgeben uns rätselhafte Klima-Phänomene, deren wir uns nicht immer bewusst sind. Und obwohl oder gerade weil wir täglich mit ihnen Umgang haben, lassen sie uns mitunter ratlos zurück. Was hat es mit der Sichtung von Geisterschiffen auf sich? Kann der Mensch Wolken regnen lassen? Wie entsteht Kunstnebel? KAMPMANN HEUTE nimmt sich dieser seltsamen Phänomene an und geht den Fragen auf den Grund.

SPUK AUF HOHER SEE

Schiffe, die mit zerfetzten Segeln ziellos übers Meer irren und sich urplötzlich in Luft auflösen – Seemannsgarn? Mitnichten. Denn diese Erscheinungen sind keine Hirngespinste, sie sind wahrhaftige physikalische Phänomene. Aber was hat es mit den sogenannten Fliegenden Holländern auf sich? Sie sind verzerrte Abbilder wirklicher Schiffe, die sich weit hinter dem Horizont befinden: Luftspiegelungen, die an der Grenze von kalter und warmer Luft erscheinen und ganz nahe wirken. Und so wird das Geisterschiff hervorgerufen: Kalte Luft bricht das Licht stärker als warme Luft. Stößt das Licht aus der kalten Luftschicht im flachen Winkel auf wärmere Luftschichten, bricht es und wird reflektiert. Im Binnenland sind solche Spiegelungen häufig auf Asphaltstraßen zu beobachten. Die Sonne heizt den dunklen Straßenbelag schnell auf und dieser wiederum die unmittelbare Umgebungsluft. Über ihr liegen somit kühlere – und damit optisch dichtere – Luftschichten, die das Licht stärker brechen. Dadurch können sich auf der Straße Gegenstände aus der Umgebung spiegeln. Auch Mehrfachspiegelungen und Vergrößerungen sind möglich – und damit die Erscheinung von Geisterschiffen auf hoher See. Nicht ohne Grund ist der Fliegende Holländer mit dem Kap der Guten Hoffnung verbunden: Dort trifft der kalte Atlantik auf den warmen Indischen Ozean.

REGENTÄNZE

Wettermachen ist ein alter Menschheitstraum. Urvölker, Thraker, Gallier und Römer versuchten, sich das Wetter gefügig zu machen. Und heute? Heute ist der künstliche Regen Realität. In Thailand heißt er gar königlicher Regen („fon luang“) und hat durchaus eine ehrwürdige Tradition: 1956 beobachtete der thailändische König auf einer Reise durch sein Land, das unter einer Dürre litt, dass am Himmel viele Wolken vorbeizogen, ohne abzuregnen. Daraufhin ließ er eine ungiftige Chemikalie entwickeln, die, von Piloten ausgebracht, Wolken zum Regnen bringen sollte. 1969 wurde das Mittel zum ersten Mal erfolgreich eingesetzt. Bis heute wendet Thailand den künstlichen Regen in den von Dürre bedrohten Anbaugebieten an. Aber was löst nun Regen künstlich aus? Die Antwort: Salze und andere Chemikalien. Der Wasserdampf der Wolken lagert sich an den Ionen an und bildet Regentropfen. Sobald sie ein bestimmtes Gewicht erreichen, fallen sie zu Boden.

OSCARREIFER NEBEL

Ob „Dracula“, „Der Wolfsmensch“ oder „Frankenstein“ – ohne eines kam keiner der großen Hollywood-Gruselklassiker aus: schwere Nebel-Schwaden, die über den Boden kriechen. Doch die Erzeugung und die Handhabe, sei es mit Trockeneis oder flüssigem Kohlendioxid, waren aufwendig und teuer. 1973 entwickelte der bei Hamburg lebende Günther Schaidt die heutige Nebelmaschine. Sie drückt ein Gemisch aus destilliertem Wasser und hochreinem Glykolen, das Nebel fluid, durch ein Rückschlagventil in ein schmales Rohr. Dieses heizt sich bis auf 300 Grad Celsius auf und bringt das Nebelfluid zum Dampfen. Beim Austritt aus der Düse kondensiert das Glykol zu mikroskopisch kleinen Tröpfchen. Technisch heruntergekühlt bilden auch sie dichten Bodennebel. Diese Technik brachte Günther Schaidt 1984 eine Auszeichnung der „American Academy of Motion Pictures, Arts and Science“ ein, ein sogenannter „Technischer Oskar“ – eine Ehre, die den eingangs erwähnten Filmklassikern nicht zuteilwurde.

 

Bildnachweise: Kapitän Geisterschiff @ Schulz-Design – Adobe Stock, Gießkanne @ sculpies – Adobe Stock, Trockeneis @ Jeffrey Daley – Adobe Stock